15. Juni 2010
IFR: Robotikindustrie zurück auf Wachstumspfad
Im ersten Quartal 2010 schnellten die Verkäufe von Industrierobotern um über 50 % in die Höhe im Vergleich zum1. Quartal 2009. Nachdem die Stückzahlverkäufe 2009 auf 62100 Industrieroboter sanken und damit um rund 45 % niedriger lagen als 2008, erklärte das IFR Statistical Department anlässlich der Automatica. „Das ist der Beginn einer Erholung, die bis 2013 wieder zu jährlichen, weltweiten Verkäufen von annährend 100000 Industrierobotern führen kann, und damit wieder näher an das Niveau von 2008 kommt, einem der erfolgreichsten Jahre der Robotikindustrie.“ kommentierte Åke Lindqvist, IFR-Präsident, die aktuelle Situation.
Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise traf die Robotikindustrie 2009 hart. In allen Regionen stürzten die Roboterverkäufe im Vergleich zu 2008 zwischen 41 % und 48 % ein. Besonders die drei größten Robotermärkte waren stark betroffen. Japan verzeichnete ein Minus von 57 % im Vergleich zu 2008. Rund 14000 Industrieroboter wurden verkauft, weniger als die Hälfte der durchschnittlichen Jahresverkäufe zwischen 2005 und 2008 (etwa 37000 Stück). Deutschland und Nordamerika fielen um 44 % bzw. 48 %. Selbst die Wachstumsmärkte für Robotik gingen zurück. China, der am schnellsten wachsende Markt bis 2008, kaufte 31 % weniger Roboter als 2008. Auch die Roboterlieferungen in die ASEAN-Staaten, nach Indien, Brasilien, Mittel- und Osteuropa und Brasilien verzeichneten ein Minus. Der Trend zur Automatisierung war weltweit unterbrochen. Die Autohersteller konsolidierten ihre Fertigungskapazitäten und restrukturierten ihr Geschäft. Das wirkte sich auch heftig auf die Autozulieferer aus. Die Gummi- und Kunststoffindustrie, die Elektro-/Elektronikindustrie sowie die Metallindustrie und der Maschinenbau reduzierten ihre Investitionen in Robotik dramatisch. Die Roboterverkäufe in diesen Hauptkundenbranchen brachen um mehr als 50 % ein. Aber auch Branchen, die von der Krise kaum betroffen waren, investierten nur vorsichtig. Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie bestellte zwölf Prozent weniger Industrieroboter, die Pharma- und Kosmetikindustrie sechs Prozent weniger. Noch hohes Potential für Industrieroboter in vielen Branchen und Ländern Die IFR führte im Auftrag der Messe München eine Studie zum weltweiten Automationspotential durch. Die Anzahl der Roboter pro 10000 Beschäftigte im Einsatz in verschiedenen Branchen und Ländern wurde ausgewertet, also die Roboterdichte. Die Ergebnisse zeigen ein großes Potential für Industrieroboter, besonders in wachsenden Branchen, wie der Pharma- und Kosmetikindustrie, der Medizintechnik und der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie. Aber auch in der Metall- und Solarindustrie ist der Robotereinsatz noch weit entfernt von dem in der Automobilindustrie. Aber es gibt noch mehr Gründe für eine glänzende Zukunft der Robotik: Riesige Verbrauchermärkte werden in China, Indien, Brasilien and Russland erschlossen. Der Wettbewerb der Automobilindustrie führt zu neuen Investitionen in Produktionsanlagen in diesen Märkten. Andere Branchen folgen ebenfalls. Der Automationsgrad ist in Nordamerika noch verhältnismäßig niedrig und muss sich durch Investitionen in die Robotik anpassen. Unternehmen in Hochlohn- und in Niedriglohnländern müssen Kosten reduzieren und eine hohe Qualität garantieren, um auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben. Der Nahe Osten wird ein neuer Markt für die Automation.
Die Herausforderungen der verarbeitenden Industrie werden die Automation wieder in allen Branchen vorantreiben. Die Robotikindustrie ist zurück auf dem Wachstumspfad und ist bereit, die Herausforderungen anzunehmen, um den Einsatz von Industrierobotern zu steigern. “Um die industrielle Robotikautomation in jedem Bereich zu steigern, muss die Robotikindustrie zusammenarbeiten und die Möglichkeiten zur Integration von
Robotikanwendungen weltweit weiter ausbauen“, betonte Å Lindqvist.
Eine der wichtigsten Herausforderungen ist der Trend zu einer nachhaltigeren und umweltfreundlicheren Produktion und der Trend zu mehr umweltfreundlichen Produkten. Leichbauroboter sparen Energie. Innovative Robotersteuerungssysteme steigern die Energieeffizienz. Roboter, die in gefährlicher oder schmutziger Umgebung arbeiten, sorgen für die Sicherheit und erhalten die Gesundheit des Arbeiters. Roboter optimieren die Produktion von Solarzellen und das Lackieren von Rotorblättern für Windkraftanlagen. Verbraucherprodukte werden immer mehr individuell angepasst mit einem immer schnelleren „Time-to-market“, das heißt immer mehr Varianten von Produkten müssen für den Verbraucher zur Verfügung stehen. Das erfordert eine flexible Automation. Roboter, die einmal für verschiedene Prozesse programmiert sind, können einfach von einem Prozess zum anderen umschalten.
Einfachere Handhabung und Programmierung erleichtern die Anwendung von Robotern. Robot-Vision optimiert die Qualitätskontrolle. Kleine und schnelle Roboter können in begrenztem Raum in hochwertiger Fertigungsumgebung arbeiten. Verbesserte Sensortechnologie ermöglicht Anwendungen außerhalb des Schutzzaunes. Diese Errungenschaften werden kleinen und mittleren Unternehmen oder sogar Handwerksbetrieben, wie zum Beispiel Schreinereien, den Einsatz von Robotern ermöglichen. “Ich bin überzeugt: produzierende Unternehmen müssen automatisieren und Roboter einsetzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben – oder untergehen“, so der IFR-Präsident.
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