23. Februar 2010

Safety mit Bremse

Editorial aus der etz 2/2010

„Das Gebiet der funktionalen Sicherheit entwickelt sich immer weiter und erobert neue Lebensbereiche, da überall Mikrorechner zum Einsatz kommen“, so eröffnete DKE-Fachreferent
Johannes Stein die DKE-Tagung zur IEC 61508 (VDE 0803) im Dezember letzten Jahres. Die Experten erwarten, dass die funktionale Sicherheit – ursprünglich kommend von der Nukleartechnik und Chemie – über die Bahntechnik und den Maschinen- und Anlagenbau auch in Bereiche, wie Haushalts-geräte und Ambient Assisted Living (AAL), vordringen und immer mehr branchenübergreifende Aspekte enthalten wird.

Frei nach dem Motto des Soziologen Arnold Gehlen „Fortschritt ist der Übergang von Situationen, deren Nachteile man schon kennt, zu Situationen, deren Nachteile man noch nicht kennt“ haben die Maschinen- und Anlagenbauer nun erst mal die vorgesehene Umstellung auf neue Safety-Technologien in ihrem Bereich ausgebremst: Mit der am 29. Dezember 2009, dem bis dato letzten Gültigkeitstag, im Amtsblatt (2009/C321) erschienenen Mitteilung der Europäischen Kommission wurde das Datum für das Ende der Konformitätsvermutung für die DIN EN 954-1 nun auf den 31. Dezember 2011 festgelegt. Bis Ende 2011 können Hersteller und Betreiber von Maschinen die DIN EN 954-1 und die DIN EN ISO 13849-1:2008-12 parallel anwenden, um die Vermutungswirkung nach der Maschinenricht­linie zu erlangen. Die Abstimmung über die Verlängerung der Vermutungswirkung fiel wohl vor allem deshalb so aus, weil bisher nur ein geringer Teil der neu in den Verkehr gebrachten Maschinen und Anlagen der neuen Situation im Bereich der funktionalen Sicherheit entspricht. Aber auch Komponentenlieferanten haben ihr Angebot oft noch nicht komplett umgestellt.

Doch Sicherheitsspezialisten, wie Pilz aus Ostfildern, warnen: Viele der unter der aktuellen Maschinenrichtlinie gelisteten B- und C-Normen wurden bereits überarbeitet und verweisen damit auf die DIN EN ISO 13849-1 bzw. DIN EN 62061 (VDE 0113-50). „In diesen Fällen löst die DIN EN 954-1 keine Vermutungswirkung mehr aus“, heißt es aus dem Haus Pilz. Das Unternehmen empfiehlt daher, die DIN EN ISO 13849-1 bzw. die DIN EN 62061 (VDE 0113-50) möglichst frühzeitig anzuwenden und nicht bis zum Ende der Übergangsfrist zu warten.

Ronald Heinze


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