26. Mai 2010
Offene Sicherheit
Editorial aus der openautomation 3/2010
„Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein“, meint Kabarettist Christian Wallner. Eine andere Sichtweise vertritt die EPSG mit der Präsentation von „openSafety“, einer Weiterentwicklung der Powerlink-Safety-Technologie, auf der Hannover Messe. Der einheitliche Safety-Standard eignet sich laut EPSG für Modbus TCP, Sercos III, Ethernet/IP, Ethercat, Profinet, Powerlink und andere Bussysteme. „Besonders profitieren Sensorhersteller von dieser Entwicklung, da sie jetzt mit einer einzigen Safety-Lösung die komplette Protokollvielfalt abdecken können“, hieß es dazu von Seiten der Nutzerorganisation.
„Wirklicher Nutznießer dieses Protokolls ist Schneider Electric“, spekuliert ein neutraler Insider aus der Branche. Schneider Electric nutzt Sercos III, Modbus TCP sowie Ethernet/IP und hat noch keine eigene Safety-Lösung ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. „Grundsätzlich kann jedes Unternehmen, das keinen eigenen Safety-Layer entwickelt hat, ,openSafety’ als Basis seiner Sicherheitslösungen verwenden“, erklärt die EPSG. Doch auch für Anwender, die verschiedene Maschinen zu einer Anlage koppeln wollen, könnte ein einheitliches Sicherheitsprotokoll seinen Charme entwickeln.
Nicht so glücklich mit der Ankündigung des neuen Safety-Standards zeigt sich Sercos-International-Geschäftsführer Peter Lutz: „Wir möchten hier klar festhalten, dass zu diesem Thema keine Kooperation zwischen Sercos International (SI) und der EPSG bzw. zwischen SI und B&R besteht.” Er stellt heraus, dass es für die Anwender von Vorteil sei, einen einheitlichen Safety-Standard auch für unterschiedliche Bussysteme nutzen zu können. „Genau aus diesem Grund haben wir uns entschieden, CIP Safety als Safety-Protokoll für Sercos III zu verwenden.“ CIP Safety sei ein etablierter Standard, die Einführung eines weiteren Safety-Protokolls hingegen „nicht zielführend“.
Ganz so kritisch muss man das aus neutraler Sicht nicht sehen: Es handelt sich um ein offenes Protokoll, passt also zu „openautomation“. Anton Meindl von B&R versichert, dass „openSafety“ die Standardprotokolle „so wie sie sind“ verwendet. Den Anwendern aus dem Maschinen- und Anlagenbau steht also ein weiteres Angebot zur Verfügung, ohne die Komplexität zu er-höhen. Eine Anfrage, das Powerlink-Safety-Protokoll als gemeinsamen Safety-Standard für Powerlink, Sercos, Ethercat und Modbus zu nutzen, gab es übrigens bereits Anfang 2005 zu IAONA-Zeiten. Damals wurde es aber von der EPSG noch abschlägig beschieden. Erst dann wählte die Sercos-Gemeinde CIP Safety.
Wir freuen uns über jede Form der offenen Automatisierung und können Ihnen versichern, dass unsere openautomation nun mit dieser Ausgabe auch als offizielles Organ der VDI/VDE-Gesellschaft für Mess- und Automatisierungstechnik (GMA) weiterhin über alle Konzepte der offenen Automatisierung und viele Themen darüber hinaus informativ, kompetent und aktuell berichten wird.
Ronald Heinze
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