08. März 2010
Lapp: Positives Ergebnis trotz Umsatzrückgang
Der Konzernumsatz der Stuttgarter Lapp-Gruppe fiel im Geschäftsjahr 2008/2009 um 37 % gegenüber dem Vorjahr auf 508 Mio. Euro. Das Geschäftsjahr 07/08 war mit einem konsolidierten Umsatz von 803 Mio. Euro und einem Wachstum von 8 % das beste Jahr in der Geschichte des Familienunternehmens. Somit stand das abgelaufene Geschäftsjahr 08/09 ganz im Zeichen der weltweiten Wirtschaftskrise. Während es insbesondere im Maschinen- und Anlagenbau, mit dem Geräte- und Apparatebau, die wichtigsten Absatzmärkte der Lapp-Gruppe, deutliche Umsatzeinbrüche gab, konnte das Minus durch rasch eingeleitete Kostensenkungs- und Restrukturierungsmaßnahmen abgefedert werden.
Rund 80 Mio. Euro Umsatzrückgang resultieren im Geschäftsjahr 08/09 aus der Kupferpreisentwicklung. Mit Berücksichtung dieser Kupferpreisschwankungen läge der Umsatz bei 588 Mio. Euro. Damit beziffert Lapp den “wahren” Umsatzrückgang mit 27 %. Dennoch erwirtschaftete die Firmengruppe ein Ergebnis von 10 Mio. Euro. Darin sind die Restrukturierungskosten (Kosten für Transfergesellschaften, Abfindungen etc.) bereits berücksichtigt.
Die Zahlen der Lapp-Gruppe im Geschäftsjahr 08/09 im Überblick:
- Gesamtumsatz: 508 Mio. Euro (inkl. Kupfer-Einfluss),
- Ergebnis: 10 Mio. Euro,
- 2.600 Mitarbeiter weltweit, inklusive Teilzeitmitarbeiter (07/08: 3.000 Mitarbeiter),
- 40 eigene Vertriebsgesellschaften,
- 16 eigene Fertigungsstandorte,
- über 100 Auslandsvertretungen,
- täglich 950 km Leitungen.
Die Entwicklung in den einzelnen Regionen
Europa zählt traditionell mit 76 % Umsatzanteil zu den stärksten Absatzmärkten der Lapp-Gruppe. Buchhalterisch sind im Umsatz Europa auch die Umsätze der Märkte der ehemaligen Sowjetunion, des Nahen und Mittleren Ostens, Afrikas sowie Mittel- und Südamerika (ohne Mexiko) enthalten. Diese Märkte werden vertrieblich vom Stammhaus in Stuttgart mitbetreut. Im Krisenjahr wurde ein konsolidierter Umsatz von 386 Mio. Euro erwirtschaftet. Deutschland, als bedeutendster Einzelmarkt, war besonders stark von den Umsatzeinbrüchen – vor allem im Maschinen- und Anlagenbau – betroffen. Massive Einbrüche gab es auch in den osteuropäischen Märkten. In manchen Ländern lag dort das Minus bei 50 %.Asien ist der zweitwichtigste Absatzmarkt. Nach überdurchschnittlich hohen Wachstumsraten der vergangenen Jahre, ist das vergangene Geschäftsjahr 08/09 ebenfalls von einem Umsatzrückgang geprägt. Trotzdem konnte sich die Firmengruppe in den Wachstumsmärkten China, Korea und Indien gut behaupten und ein positives Ergebnis erwirtschaften. Generell ist zu beobachten, dass sich der asiatische Markt schneller erholt hat, als Europa und USA.
Der geringste Umsatzrückgang wurde in Nord-, Mittel- und Südamerika verbucht. Die Erschließung neuer Absatzbranchen, wie Öl & Gas, versprechen fürs laufende Geschäftsjahr neue Perspektiven.
Maßnahmen und Optimierung der Strukturen
Die Lapp-Gruppe hat bereits im Herbst 2008 auf die ersten Anzeichen der Krise reagiert und vorsorglich Szenarien für mögliche Umsatzeinbrüche entwickelt. Zunächst wurde mit verlängerten Werksferien und mit Kurzarbeit ab Februar an den deutschen Standorten reagiert. Als im 2. Quartal die Umsätze weiter einbrachen, mussten weiter Kosten eingespart werden. Dabei wurde darauf geachtet, die Auswirkungen auf die Belegschaft so gering wie möglich zu halten. Deshalb betrafen rund 70 % der Einsparungen die Sachkosten und nur rund 30 % die Personalkosten. Trotzdem mussten am Standort Deutschland rund 100 Stellen gestrichen werden. Um den betroffenen Mitarbeitern eine bessere Perspektive auf dem Arbeitsmarkt zu geben und um die Maßnahme besser sozial abzufedern, wurden Beschäftigungs-Gesellschaften gegründet.Ein weiterer Schwerpunkt im abgelaufenen Geschäftsjahr war die Optimierung des Working Capitals. Alleine das Vorratsvermögen wurde um einen zweistelligen Millionen-Betrag abgebaut. Mit allen genannten Maßnahmen ist es der Unternehmensführung gelungen, die Liquidität der Lapp-Gruppe und damit die Unabhängigkeit des Unternehmens zu sichern.
Investitionen im Krisenjahr
Trotz massiver Kostensenkungsmaßnahmen wurde auch ein zweistelliger Millionen-Betrag investiert. So wurden im Produktionswerk in Forbach (Frankreich) eine neue Fertigungslinie sowie ein neues Logistikzentrum in Betrieb genommen. Der geplante Neubau eines Logistikzentrums am Standort Stuttgart wurde dagegen vorerst zurückgestellt.
Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr
Lapp geht davon aus, dass die konjunkturelle Talsohle erreicht ist und eine Erholung der Weltkonjunktur eintreten wird. Seit Herbst vergangenen Jahres verzeichnet die Gruppe wieder eine stabile Auftragslage, darunter auch Großaufträge. Für das laufende Geschäftsjahr 2009/2010 sind die Planungen dennoch sehr vorsichtig. Eine Umsatzsteigerung ist zunächst nicht geplant. Andreas Lapp: „Wir haben unsere Kapazitäten so ausgerichtet, dass wir im Fall einer deutlich positiveren Entwicklung sehr schnell reagieren können und für unsere Kunden keine Lieferengpässe entstehen.“
Neue Branchen: Energie, Mobility und Life Science
Als stabilisierender Faktor im Krisenjahr hat sich das Geschäftsfeld der erneuerbaren Energien erwiesen. Vorstand Siegbert Lapp: „Wir bieten unseren Kunden im Bereich von Sonne, Wind und Biogas maßgeschneiderte Produktprogramme und auch bei anderen neuen Energiethemen wollen wir unsere technologische Marktführerschaft unter Beweis stellen.“ So entwickelte die Firmengruppe Sonderleitungen für ein Wellenkraftwerk vor der portugiesischen Westküste oder für ein Gezeitenströmungskraftwerk, das in 50 m Meerestiefe vor der Küste von Südkorea gebaut werden soll. Der Bereich erneuerbare Energien hat sich für die Stuttgarter inzwischen zu einer viel versprechenden Wachstumsbranche entwickelt. Aber auch die etablierten Energien wie Kohle, Öl und Gas sowie Nuklearkraftwerke stehen im Fokus.Dennoch bleiben der Maschinen- und Anlagenbau sowie der Geräte- und Apparatebau die wichtigsten Branchen. „Wir arbeiten tagtäglich daran, um unseren Kunden bessere Lösungen und besseren Service zu bieten“, sagt S. Lapp. Mit neuen Kabelmehrfacheinführungen, einem umfassenden Programm für die dezentrale Automatisierungstechnik im Maschinen- und Anlagenbau oder diversen zertifizierten Produkten für Verbindungs-Technik wurde dies aktuell unter Beweis gestellt.
Parallel werden weitere neue Branchen erschlossen. Auf einem guten Weg ist zum Beispiel die Mobility-Branche mit herausragenden Märkten, wie Schienentechnik, Flughafentransport- und Steuerungssysteme. So wurden zuletzt einige Flughäfen mit Leitungen von Lapp verkabelt, darunter auch das neue Terminal in Heathrow. Aber auch im Clubschiff der “AIDAluna” wurden Ölflex-Anschluss- und Steuerleitungen verwendet.
Zudem engagiert sich Lapp Systems, ein Unternehmen der Lapp Gruppe, stark im Bereich der e-Mobility. Dabei geht es um neue Anschlusstechniken für Elektro- und Hybridantriebe in Fahrzeugen. Das Unternehmen liefert zum Beispiel bereits für die Lithium-Ionen-Batterien einer deutschen Hybrid-Limousine spezielle Systemverbindungen. S. Lapp: „Die Speicherung von elektrischer Energie ist die zentrale technische Herausforderung für zukünftige Elektro-Fahrzeuge. Hierbei kommt es im Wesentlichen auf geringstes Gewicht bei größtmöglicher Kapazität an, die wiederum entscheidend für die Reichweite der zukünftigen Fahrzeuge ist.“ Lapp ist nach eigenen Angaben im Gespräch mit namhaften Unternehmen, die zurzeit neue Batteriesysteme entwickeln. Auch ein Unternehmen das „Stromzapfsäulen“ für Elektroautos entwickelt, wird von Lapp Systems unterstützt.
Ähnliche Wachstumsoptionen sieht die Lapp -ruppe im Bereich Life Science, der jetzt verstärkt vertrieblich erschlossen werden soll. Dazu zählen zum Beispiel die Biomedizin, die Lebensmittelherstellung sowie pharmazeutische Erzeugnisse und Reinraumtechnik. Leitungen von Lapp sind bereits in neuartigen Anti-Aging Geräten oder in Fitness-Laufbändern erfolgreich im Einsatz.
Fazit
A. Lapp ist sich sicher: „Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau wird wie Phoenix aus der Asche aufsteigen und zwar viel schneller als viele glauben.“
Um auch nach außen positive Zeichen zu setzen, hat sich die Gruppe entschieden, das im vergangenen Krisenjahr verschobene 50-jährige Firmenjubiläum und den 50. Geburtstag der Erfolgsmarke Ölflex nachzufeiern. „Es ist ein Dankeschön an unsere Kunden und Mitarbeiter, die uns in schwierigen Zeiten unterstützt und an uns geglaubt haben. Wir wollen dabei nicht protzen, sondern Aufbruchstimmung vermitteln und motivieren.“Weitere Informationen unter www.lappgroup.com.
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