17. Februar 2010
VDMA: Deutsche Werkzeugmaschinenindustrie erwartet deutliche Nachfrageerholung für 2010
Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie fasst für 2010 wieder mehr Zuversicht. „Zwar wird das laufende Jahr abermals sehr schwierig, jedoch erwarten wir eine deutliche Belebung des Geschäfts während der ersten Jahreshälfte“, erklärt Martin Kapp, Vorsitzender des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), anlässlich der Jahrespressekonferenz.
„Seit September haben sich die Bestellungen Monat für Monat verbessert”, begründet er seine Einschätzung. Im vierten Quartal 2009 hat der Auftragseingang auf niedrigem Niveau um 12 % zugelegt. Das ist nicht nur dem Basiseffekt geschuldet. Vielmehr ist das Auftragsniveau im Vergleich zum Tiefstand im Juli/August um mehr als 60 % gestiegen.
Wegen des Zeitbedarfs für die Realisierung im Umsatz wird das noch nicht für einen Zuwachs in der Produktion reichen. Daher geht der VDW von einem Rückgang der deutschen Werkzeugmaschinenproduktion für 2010 um 10 % aus, bevor die deutschen Hersteller 2011 davon profitieren können, dass der internationale Investitionsmotor wieder vollständig rund läuft.
Getrieben wird die Nachfrageerholung vom Ausland und vom Projektgeschäft. Die Schwellenländer China und Indien haben sich rasch von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise erholt. Andere wichtige Märkte wie die USA, Russland oder Brasilien kehren auf den Wachstumspfad zurück. Strukturell kommen die Bestellungen vermehrt aus dem Projektgeschäft. Die inländische Nachfrage stabilisiert sich langsamer und wird derzeit hauptsächlich durch den Lagerzyklus belebt.
„2009 ist für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie besser gelaufen als befürchtet, obwohl die Branche einen Absturz erlebt hat wie nie zuvor”, berichtet VDW-Vorsitzender M. Kapp. Statt des noch Mitte 2009 erwarteten Rückgangs der Werkzeugmaschinenproduktion um 40 % lag sie Ende des Jahres 30 % unter Vorjahr bei 9,9 Mrd. €. Im historischen Vergleich ist dieser Rückgang dennoch beispiellos. Alle Kennzahlen sind 2009 tief ins Minus gerutscht. Der Auftragseingang ging um mehr als die Hälfte zurück. Die Inlandsorders verloren 61 %, die Auslandsorders 50 %. Der Export sank in den Monaten Januar bis November um rd. 27 %. Lediglich die Lieferungen nach Ost- und Südostasien konnten noch zulegen. Mit einem Zuwachs der deutschen Ausfuhren von 11 % auf 1,15 Mrd. € ist der chinesische Markt nun fast dreimal so groß wie die USA auf Platz 2. Deutlich unterproportional verlief der Beschäftigungsabbau. Seit dem Höchststand im Herbst 2008 sank die Mitarbeiterzahl um rd. 7500 oder 10 % auf zuletzt 65900 Frauen und Männer Ende 2009.
„Der flexiblere Arbeitsmarkt und die Kurzarbeiterregelung haben geholfen, die Mitarbeiter solange zu halten”, ist sich M. Kapp sicher. Nach wie vor wollen viele Unternehmen auch unter schwierigen Bedingungen ihre Stammbelegschaft über die Krise hinweg retten. Das wird nicht allen gelingen, bedauert Kapp. Gleichwohl darf nicht vergessen werden, dass bereits deutliche Kapazitätsanpassungen durch den Abbau von Überstunden, Leiharbeit und die Beendigung befristeter Arbeitsverhältnisse stattgefunden haben. Die Kapazitätsauslastung in der Werkzeugmaschinenindustrie betrug im Januar 67,6 %. Das signalisiert für die Branche, dass sich die Halbierung der Bestellungen nun auch ganz massiv in der Produktion auswirkt. Der Auftragsbestand lag zuletzt im Oktober 2009 noch bei 5,6 Monaten. Beide Zahlen beziehen sich auf das deutlich reduzierte Produktionsniveau.
Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie ist in dieser Krise viel besser aufgestellt als in früheren Abschwüngen. Das zeigt sich nicht zuletzt darin, dass die deutschen Hersteller weit an Hauptwettbewerber Japan vorbei gezogen sind. Deren Werkzeugmaschinenproduktion ist um 60 % auf rd. 5 Mrd. € ohne Teile und Zubehör doppelt so stark eingebrochen wie die deutsche. Deutsche Hersteller haben ihren Weltmarktanteil leicht gesteigert und rangieren nun rd. 7 Prozentpunkte vor den Japanern.
In der Werkzeugmaschinenindustrie mehren sich die Sorgen, dass die Finanzierungssituation zunehmend eng wird. Werkzeugmaschinenhersteller mit Kunden in der Automobil- und Zuliefererindustrie werden pauschal schlechter eingestuft, müssen höhere Informationsanforderungen erfüllen und bekommen schlechtere Konditionen angeboten, wird aus dem VDW-Mitgliederkreis berichtet. Das führt zu einem massiven Anstieg der Finanzierungskosten.
„Unsere Geschäftspartner, insbesondere die Banken, müssen die Besonderheiten der Branche berücksichtigen”, fordert M. Kapp. Die Bankenkrise darf nicht dazu führen, dass ganzen Branchen, die beileibe keine Strukturkrise durchleiden, der Kredithahn zugedreht wird. Dringend geboten ist eine flächendeckende gemeinsame Anstrengung von Politik, Banken und Unternehmen in Deutschland und international, die Industrie wieder flott zu machen. Dazu muss die Politik dafür sorgen, dass die Finanzinstitute ihrer Pflicht nachkommen, die Wirtschaft mit Geld zu versorgen. Es darf keine Kreditklemme für die Finanzierung von Projekten und in der Vorfinanzierung von Aufträgen für den Mittelstand entstehen. Der VDW drängt darauf, dass im Rahmen von Kreditverhandlungen nicht ausschließlich das Unternehmensergebnis des vergangenen Jahres berücksichtigt wird, sondern die mittelfristigen Entwicklungsperspektiven.
Für 23. bis 27. Februar 2010 rüstet die internationale Werkzeugmaschinenindustrie für die Metav in Düsseldorf. 680 namhafte Aussteller aus 26 Ländern zeigen dort ihre Innovationen bei Produkten und Dienstleistungen für neue Anforderungen in der industriellen Fertigung. Für neue Produkte, neue Märkte, neue Prozesse, neue Konzepte für Unternehmensstrukturen und Kostenoptimierung haben insbesondere die deutschen Hersteller viel zu bieten. Wenn der Knoten platzt und die internationale Industrie wieder investiert, wird die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie vorne mit dabei sein, bekräftigt VDW-Vorsitzender M. Kapp.
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