10. Februar 2010
VDMA: 0 % Produktionswachstum in 2010
Man könnte die Jahrespressekonferenz des VDMA, die heute in Frankfurt/M. stattgefunden hat, unter viele Überschriften stellen: der Maschinen- und Anlagenbau befindet sich nah am Tiefpunkt der Produktion, leichter Aufschwung im 2. Halbjahr 2010 erwartet, China als Hoffnungsträger, Beschäftigungsprognosen derzeit nicht möglich.
All diese Aussagen fanden sich in der Rede des VDMA-Präsidenten Dr. Manfred Wittenstein, der auf das Krisenjahr 2009 zurückblickte und sich verhalten optimistisch für 2010 äußerte. Er eröffnete die Pressekonferenz mit den Worten: “Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau musste 2009 einen realen Produktionsrückgang von knapp einem Viertel (24,7 %) verkraften. Das Produktionsvolumen betrug 151 Mrd. Euro.” Hinter diesem Durchschnittswert verbirgt sich eine große Spanne auf Fachzweigebene. Sie reicht – gemessen am Umsatz – von minus 45 % für Bau- und Baustoffmaschinen bis plus 32 % für Hütten- und Walzwerkeinrichtungen. Positiv vermeldete er im Nachgang, dass elf der insgesamt 20 im VDMA gelisteten Brachen wieder Wachstum verzeichnen würden – wenn auch auf zum Teil sehr niedrigen Niveau. Als positive Beispiele nannte er die Textilindustrie, die Fluidtechnik, die Werkzeugmaschinenindustrie, die Holzbearbeitungsmaschinenindustrie usw. Getrieben würde das Wachstum dabei zumeist aus dem Ausland. “Zum Beispiel für die Textilindustrie spielt China eine wichtige Rolle”, sagt Dr. M. Wittenstein.
In Summe sank der Branchenumsatz um nominal 23,1 % auf 160 Mrd. Euro (2008: 208 Mrd. Euro).“

Produktionswert im deutschen Maschinenbau
Beschäftigungsprognose für 2010 unmöglich
Ebenfalls positiv vermeldete er den 2009 ausgebliebenen hohen Abbau an Arbeitskräften, den der VDMA auf der letzten Jahres-Pressekonferenz mit ca. 60.000 Stellen geschätzt bezifferte. “Die Zahl der Beschäftigten sank im Verlauf des vergangenen Jahres um ca. 34.000”, nannte er als nun ermittelte, tatsächliche Zahl für 2009. Dabei bezeichnete er diesen Wert, gemessen an dem Rückgang der Maschinenproduktion, der bei 24,7 % lag, als moderat. “Die Unternehmen hielten dieses Mal auf Biegen und Brechen ihre Mitarbeiter länger als in früheren Abschwüngen. Legt man den Einbruch in der Produktion zugrunde, hätten die Unternehmen aus
betriebswirtschaftlicher Sicht vermutlich über 100.000 Mitarbeiter abbauen müssen”, berichtet der VDMA-Präsident. Aus seiner Sicht ist das eine klare Entscheidung zahlreicher Unternehmen, die Mitarbeiter aus strategischen Gründen zu halten. Mit Blick auf das eigene Unternehmen erklärt er: “Wir haben im letzten Jahr 7 % unseres Gewinns darauf verwandt, die Mitarbeiter zu halten.”
Mit Blick auf die Branche schränkt er ein: “Dies bedeutet aber nicht, dass es in diesem Jahr nicht zu zahlreichen Anpassungen kommen könnte. Das Ausmaß lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt seriös nicht abschätzen. Wir können aus diesem Grunde für 2010 keine Beschäftigtenprognose abgeben.”

Beschäftigte im deutschen Maschinenbau
China schiebt sich im Export-Ranking auf Platz 1
In Summe schätzt der VDMA, dass der Maschinenumsatz der größten maschinenproduzierenden Länder 2009 um real 19 % zurückgegangen ist. Der Umsatz der europäischen Hersteller sei dabei vermutlich um ein Viertel und der der Wettbewerber in den USA um rund ein Fünftel geschrumpft. Der chinesische Maschinenbau könne hingegen aufgrund staatlich administrierter Investitionsprojekte auch 2009 ein Plus von 10 % verbuchen. “Anhaltspunkte für die Sonderrolle Chinas als Produzent und Kunde von Maschinenbauerzeugnissen liefert auch der deutsche Maschinenexport. Die Volksrepublik China verzeichnete als einziges der 20-Top-Zielländer deutscher Maschinenbauprodukte einen Zuwachs und schob sich dadurch früher als erwartet an den USA vorbei auf Platz 1 im Export-Ranking”, stellt Dr. M. Wittenstein als positives Beispiel heraus. Als Gegenbeispiel nennt er Russland. “Hier schrumpfte der deutsche Maschinenexport um 43 %.” In Summe sackte der deutsche Maschinenexport laut VDMA in den ersten elf Monaten des Jahres 2009 um nominal 24 % ab.
0 % Produktionswachstum in 2010
Im Dezember lag der Bestelleingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau im Vorjahresvergleich zum ersten Mal seit 15 Monaten mit 8 % wieder im Plus. “Geholfen haben das extrem niedrige Vorjahresniveau – der Dezember war der mit Abstand schwächste Ordermonat
des Jahres 2008 – sowie das Ende der Talfahrt”, sagt Dr. M. Wittenstein. Dabei dürfe man aber nicht außer Acht lassen: “Das nun erreichte Bestellniveau liegt um nicht weniger als 20 % unter dem Durchschnitt des Fünfjahreszeitraums 2004 bis 2008.”

Auftragseingang im deutschen Maschinenbau
Nach Verbandsschätzungen wird die deutsche Maschinenproduktion in den ersten Monaten dieses Jahres ihr Vorjahresniveau noch teils deutlich verfehlen. Später im Jahr könne es der Branche jedoch gelingen, wieder Plusraten zu schreiben. “Für das Gesamtjahr 2010 gehen wir davon aus, dass der deutsche Maschinenbau in Summe das Produktionsvolumen des Jahres 2009 in etwa halten kann, mit leicht positiver Tendenz im Jahresverlauf. Unsere Produktionsprognose 2010 lautet also unverändert: 0 % Wachstum”, fasst der Präsident zusammen.
Diesen, gemessen an anderen Prognosen, schlechten Ausblick begründet er anhand von drei Punkten:
1. Wir werden Rückgänge in den Sparten sehen, die dank ihrer Auftragsbestände bislang glimpflich davonkamen, aber 2010 das volle Ausmaß der Krise zu spüren bekommen. Wir werden Zuwächse in Sparten sehen, die wegen der tiefen Einbrüche 2009 echte Chancen auf Zuwächse haben. Die Kompensation zwischen diesen beiden Gruppen ist schwer abschätzbar.
2. Die bisherige Wachstumsdynamik der auch für den Maschinenbau taktgebenden Weltwirtschaft basiert in erheblichem Maß auf öffentlichen Stützungsmaßnahmen. Diese laufen in der Mehrzahl der Länder in den kommenden Monaten aus, beziehungsweise sind schon beendet worden. Staatliche Konjunkturpakete haben zwar das Schlimmste verhindert. Sie sind aber teilweise nur Strohfeuer (Abwrackprämie). Sie können nicht das Wachstum ersetzen, das im Kern durch unternehmerisches Handeln und private Nachfrage geschaffen wird.
3. Die Investitionsneigung unserer Kunden ist angesichts der niedrigen Kapazitätsauslastung denkbar gering. Für Rationalisierungs- und Ersatzinvestitionen gibt es entweder zu wenig Bedarf oder deren Finanzierung ist schwieriger, wenn nicht gar unmöglich geworden. Gerade vor dem Hintergrund, dass wir in Deutschland im internationalen Vergleich was die Modernisierung unseres Maschinen- und Anlagenparks angeht eigentlich Nachholbedarf hätten, wird dies schnell zur Standortfrage. Zudem ist damit zu rechnen, dass wegen steigender Unternehmensinsolvenzen
und Kapazitätsstilllegungen weltweit eine wachsende Zahl von Gebrauchtmaschinen auf den Markt drängen – zu Lasten von Neubestellungen.
Fit machen für Zukunftsthemen
Neben diesen “schwarzmalerischen” Aussagen sieht Dr. M. Wittenstein aber auch durchaus Chancen dafür, dass die Konjunktur in einigen Absatzregionen schneller und deutlicher als weithin erwartet anzieht – und der exportorientierte deutsche Maschinenbau mit seinen unverändert hoch
wettbewerbsfähigen Produkten punktet. Ferner sagt er: “Die Aufgabenstellung, sich für den internationalen harten Wettbewerb fit zu machen und fit zu halten, hat für den Maschinenbau und seine Kunden weltweit nach wie vor höchste Priorität. Die wirtschaftlichen Herausforderungen einer effizienten Energieumwandlung und Energienutzung, einer ressourcenschonenden, intelligenten Produktion, einer zukunftsfähigen Mobilität, bleiben unverändert auf der Tagesordnung. Ressourcenschonende Technologien, gegenwärtig vor allem energieeffiziente Technologien, sind für unsere Industrie ein Megathema mit Megachancen für Wachstum und Innovation.”
Dazu führt er zuzätzlich zwei aktuelle Studien an, eine von der Prognos AG und eine von Roland Berger. Mittels diesen konnte nachgewiesen werden, dass allein die Kunden in Deutschland mit Produkten des Maschinen- und Anlagenbaus bereits heute eine Energiemenge einsparen, mit der man den Strombedarf von 48 Mio. Haushalten decken könnte. “In zehn Jahren können wir insgesamt Einsparungen erzielen, die zur Stromversorgung von 80 % aller Haushalte in Westeuropa ausreichen. Mithilfe unserer Technologien mindern wir im gleichen Zeitraum die spezifischen CO2-Emissionen Deutschlands um fast ein Drittel und leisten als Zukunftsbranche einen ganz erheblichen Beitrag zum Klimaschutz”, sagt Dr. M. Wittenstein.
Politik und Banken gefordert
Als schwierige Themen, die einen Aufschwung hierzulande erschweren könnten, sieht der VDMA die mangelnde Kreditvergabe und damit eine Zunahme der Finanzierungsprobleme. So berichtet der Verband, dass mehr als ein Drittel seiner Mitgliedsunternehmen inzwischen berichten, dass es schwierig geworden sei, Kredite zu bekommen bzw. zu behalten. „Wir wissen, dass die Erfahrungen der Unternehmen selbst innerhalb derselben Bankengruppe extrem unterschiedlich sind. System ist hier keines erkennbar“, betonte der VDMA-Präsident. „Und es sollte sich jeder darüber im klaren sein, dass unter den Unternehmen mit Finanzierungsschwierigkeiten auch viele sind, die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise unverschuldet aus einer hervorragenden Nachfrage-situation in ein tiefes Tal gefallen sind.“ Gefährlich wäre ein schnelles Wiederanziehen der Aufträge, denn dann entstünden erst die Hauptprobleme bei der Auftragsvorfinanzierung, so der Verband. „Die Nachfrage nach Betriebsmittelkrediten steigt, die Banken sind ängstlich und blicken eher zurück und stehen auf der Kreditbremse“, so Dr. M. Wittenstein.
Der VDMA fordert von der Politik Maßnahmen zur Stärkung des Standorts Deutschland, Dr. M. Wittenstein hält die bisherige Arbeitsbilanz der schwarz-gelben Bundesregierung für nicht ausreichend. Ihr sei es nicht gelungen, „die für eine Wachstumsbeschleunigung dringend notwendige Aufbruchstimmung beim Bürger und in der Wirtschaft zu erzeugen.“ Der VDMA-Präsident erwartet von der Bundesregierung, „ein klares Bekenntnis zum Industrieland Deutschland.“ Denn die industrielle Produktion sei die unverzichtbare Basis für den Wohlstand in Deutschland. „Wir erwarten eine Politik der Priorisierung guter Standortbedingungen für Investoren in Deutschland. Und wir erwarten von Frau Merkel nichts weniger als politische Führung!“
Weitere Informationen unter www.vdma.org.
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