03. Dezember 2009

Siemens: Umsatzrückgang im Industry-Sektor

Siemens hat nach eigenen Angaben in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld im Geschäftsjahr 2009 operativ Stärke gezeigt. Die Wachstums- und Ergebnisziele wurden erfüllt und teilweise deutlich übertroffen. Das Unternehmen hat dabei die Konzentration auf das Kerngeschäft weiter vorangetrieben. Das Umweltportfolio als einer der wichtigen Wachstumstreiber von Siemens wurde weiter ausgebaut. Die Einkaufsinitiative sowie das Programm zur Senkung der Vertriebs- und Verwaltungskosten haben die Wettbewerbsfähigkeit von Siemens gestärkt, heißt es von Siemens. „In schwierigstem Umfeld hat Siemens im Vergleich zu den wichtigsten Wettbewerbern 2009 sehr gut abgeschnitten. Getragen von Energy und Healthcare können wir mit Stolz auf eine stabile Umsatzentwicklung und operative Ergebnisstärke blicken“, sagte Peter Löscher, Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG. „Mit neuer Energie sind wir in das Geschäftsjahr 2010 gestartet und haben unser Portfolio mit Solel verstärkt. In der Umwelttechnik sehen wir weltweit weiter erhebliches Potenzial. Um die Geschäfte nachhaltig zu sichern, die von der Krise besonders betroffen sind, führen wir notwendige Maßnahmen konsequent fort. Insgesamt bleibt das Marktumfeld 2010 herausfordernd“, so P. Löscher.
Im Geschäftsjahr 2009, das am 30. September endete, erwirtschaftete Siemens einen Umsatz von 76,7 Mrd. € nach 77,3 Mrd. € im Vorjahreszeitraum. Auf vergleichbarer Basis, also ohne Portfolio- und Währungseffekte, lag der Umsatz damit auf Vorjahresniveau. Siemens hatte sich zum Ziel gesetzt, im Falle eines Konjunkturabschwungs auf vergleichbarer Basis weniger als halb so stark zu schrumpfen wie die Weltwirtschaft. Das Welt-Bruttoinlandsprodukt wird im Jahr 2009 voraussichtlich um 2,1 % sinken.
Der Umsatz profitierte erheblich vom hohen Auftragsbestand, der im Geschäftsjahr 2009 nur leicht von 83,1 Mrd. € auf 81,2 Mrd. € gesunken ist. Der Auftragseingang belief sich im Geschäftsjahr 2009 auf 79 Mrd. € und lag damit auf organischer Basis, ohne Währungs- und Portfolioeffekte, um 14 % unter dem Vorjahreswert.
Die Sektoren Energy und Healthcare bewiesen trotz schwieriger Marktbedingungen Wettbewerbsstärke und verbuchten beide höhere Umsätze als im Vorjahr. Dieses Wachstum wurde größtenteils durch einen Umsatzrückgang im Industry-Sektor ausgeglichen, der besonders vom Konjunkturabschwung betroffen war. Auf regionaler Basis wuchs der Umsatz in den Regionen Amerika sowie Asien und Australien, während er in Europa, der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, Afrika und dem Nahen und Mittleren Osten fiel. Insgesamt stabilisierend wirkte sich das Umweltportfolio aus, das sich aus Produkten und Lösungen des gesamten Unternehmens zusammensetzt. Der diesem Portfolio zugeordnete Umsatz legte im Geschäftsjahr 2009 um 11 % auf 23 Mrd. € zu.
Das Ergebnis der Sektoren, maßgebliche Kenngröße für die Entwicklung des operativen Geschäfts, stieg im Geschäftsjahr 2009 um 13 % von 6,6 Mrd. € auf 7,5 Mrd. €. Siemens hatte sich zum Ziel gesetzt, mindestens den Vorjahreswert zu übertreffen. Einem Ergebniswachstum in den Sektoren Energy und Healthcare stand dabei ein Ergebnisrückgang im Industry-Sektor gegenüber.
Das Ergebnis der fortgeführten Aktivitäten kletterte um 32 % von 1,9 Mrd. € auf 2,5 Mrd. €. Siemens übererfüllte sein Ziel auch hier deutlich, nämlich stärker zuzulegen als beim Ergebnis der Sektoren. Der Gewinn nach Steuern betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 2,5 Mrd. €. Der Vorjahreswert von 5,9 Mrd. € enthielt einen Ertrag von rund 5,5 Mrd. € in Verbindung insbesondere mit dem Verkauf von Siemens VDO Automotive.
Das globale Programm zur Senkung der Vertriebs- und Verwaltungskosten wurde ein Jahr früher als ursprünglich geplant abgeschlossen. In den vergangenen beiden Jahren hat Siemens die Vertriebs- und Verwaltungskosten wie geplant um insgesamt 1,2 Mrd. € von 12,1 Mrd. € im Geschäftsjahr 2007 auf 10,9 Mrd. € gesenkt.
Auch während der Krise hat das Unternehmen in Forschung und Entwicklung investiert, um das organische Wachstum zu fördern. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sind im Geschäftsjahr 2009 um 3 % auf 3,9 Mrd. € gestiegen. Außerdem hat Siemens durch Portfoliooptimierung sein Kerngeschäft weiter gestärkt und sein Umweltportfolio ausgebaut.
Durch die Übernahme von Solel Solar Systems und die 28-<>Beteiligung an Archimede Solar nimmt Siemens nun nach eigenen Angaben die technologisch führende Position in der Solarthermie ein. Außerdem hat das Unternehmen mit der 60<>Beteiligung an Energy4U seine Kompetenz bei intelligenten Stromnetzen (Smart Grids) ausgebaut. Gleichzeitig hat Siemens die Konzentration auf das Kerngeschäft weiter vorangetrieben. Hierzu zählen der Verkauf der 50%-Beteiligung an Fujitsu Siemens sowie der Geschäfte Airfield Lighting und Wireless Modules sowie der mehrheitliche Ausstieg aus dem verbliebenen Telekommunikationsgeschäft. Die Bereinigung der „Sonstigen operativen Aktivitäten“ wurde wie angekündigt im Geschäftsjahr 2009 abgeschlossen.
Das Marktumfeld im Geschäftsjahr 2010 bleibt nach Siemens-Sicht herausfordernd. Nach zweistelligem Auftragsrückgang im Geschäftsjahr 2009 erwartet Siemens für das Geschäftsjahr 2010 einen organischen Umsatzrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich. Das Ergebnis der Sektoren soll zwischen 6,0 und 6,5 Mrd. € liegen und das Ergebnis der fortgeführten Aktivitäten soll um rund 20 % gegenüber dem Vorjahreswert von 2,457 Mrd. € steigen.
Diese Prognose steht unter der Bedingung, dass es im Jahresverlauf zu keiner wesentlichen Verstärkung des Preisverfalls an den Absatzmärkten von Siemens kommen wird und sich das Marktumfeld, insbesondere für die kurzzyklischen Geschäfte, in der zweiten Jahreshälfte verbessert. Ferner sind von dieser Prognose wesentliche Effekte ausgenommen, die sich im Geschäftsjahr 2010 aufgrund von Restrukturierungsmaßnahmen, Portfoliotransaktionen, Wertminderungen oder aus rechtlichen und regulatorischen Angelegenheiten ergeben könnten.


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