14. Oktober 2009

VDMA: Maschinenbauer erwarten im Jahresverlauf 2010 leichtes Wachstum der Maschinenproduktion

Der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau rechnet für 2010 mit einem leichten Wachstum der Maschinenproduktion. Dies erklärte VDMA Präsident Dr. E.h. Manfred Wittenstein auf der Pressekonferenz des Verbands anlässlich des 4. Deutschen Maschinenbaugipfels am Dienstag in Berlin. „Diese Zuversicht ziehen wir aus der Tatsache, dass namhafte Wirtschaftsindikatoren weltweit eine zyklische Erholung signalisieren. In Anbetracht des Niveaus, auf dem diese Erholung stattfindet, ist es jedoch schwer für mich, hier von einem Aufschwung zu sprechen. Allerdings hat sich die globale Industrieproduktion, wenn auch moderat, von ihren Tiefstpunkten lösen können“, erklärte Dr. E. Wittenstein. „Und so, wie wir als vom Export abhängige Branche von dem Einbruch der weltweiten Industrieproduktion in besonderer Weise in Mitleidenschaft gezogen wurden, so werden wir von der Erholung besonders profitieren können. Vorausgesetzt, wir haben nicht an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Auch hier bin ich optimistisch.“
Im Juni arbeiteten im Maschinen- und Anlagenbau 241000 Personen kurz, also rund jeder Vierte. Bis Ende Juli hat die Branche die Kernmannschaft um 24000 Stellen verkleinert und beschäftigt aktuell 930000 Mitarbeiter. „Wir rechnen mit einem Abbau von insgesamt bis zu 60000 Stellen im Jahresverlauf. Das entspricht im Jahresdurchschnitt einem Rückgang um 2,0 %. Im Vergleich zum Produktion- und Umsatzrückgang von 20 % wird deutlich, wie vorsichtig, wie verantwortungsvoll die Maschinenbauer hier handeln“, betonte der VDMA-Präsident.
Die vom VDMA einmal jährlich ausgewerteten Daten für den internationalen Maschinenaußenhandel der wichtigsten 42 Lieferländer zeigen für 2008, dass der deutsche Maschinenbau seine Rolle als Exportweltmeister nicht nur erfolgreich verteidigt, sondern seine Führungsrolle sogar leicht ausgebaut hat.
Der Welthandelsanteil lag 2008 bei 19,2 % nach 19,0 % in 2007. Die beiden größten Wettbewerber, die USA auf Platz 2 und Japan auf dem 3. Platz, haben dem gegenüber jeweils zwei Zehntelpunkte ihres Anteils eingebüßt. Sie kamen auf 11,7 % bzw. 10,7 %. Italien erreichte 9,1 % und hat ebenfalls ganz marginal verloren (2007: 9,2 Prozent). Große Veränderungen gab es auf dem 5. Platz: Die VR China steigerte ihren Anteil deutlich von 7,2 % in 2007 auf 8,6 % in 2008. „Das ist ein mehr als achtbarer Erfolg“, betonte Dr. E. Witteinstein. „China mausert sich immer mehr zum auch international bedeutenden Wettbewerber.“ Der VDMA Präsident wies allerdings darauf hin, dass die chinesischen Maschinenexporte in nennenswertem Ausmaß aus Unternehmen stammen, die sich im Auslandsbesitz befinden.
Die Ergebnisse des internationalen Maschinenaußenhandels attestierten der Branche eine starke Wettbewerbsposition, so Dr. E. Wittenstein. „Doch darauf können wir uns nicht ausruhen. Unsere Position ist nicht gesetzt. Wir müssen sie jedes Jahr neu erkämpfen“, sagte der VDMA Präsident. „Wir stellen uns darauf ein, dass die VR China mit großen Schritten weiter aufholt.“ Um die Position der deutschen Maschinenbauer erfolgreich zu verteidigen, „müssen wir unsere Anstrengungen bei Forschung und Entwicklung sogar noch erhöhen. Doch allein können wir das nicht schultern. Der gesetzliche Rahmen muss stimmen.“
Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer wünschen sich von der neuen Bundesregierung ein „klares Bekenntnis zum Industriestandort Deutschland“. Konkret fordert der Verband eine steuerliche Forschungsförderung, wie sie bereits in zwei Drittel der OECD-Staaten und 15 EU-Mitgliedsstaaten existiert. „Die steuerliche Forschungsförderung bietet immense Chancen – wenn sie branchenspezifische Besonderheiten wie die hohen Anteile von Konstruktion und Produktion in unserem Innovationsprozess berücksichtigt. Sie wirkt in die Breite, ist themenoffen und stimuliert das immense Innovationspotential, das gerade auch in den kleineren Unternehmen noch schlummert“ erklärte der VDMA-Präsident. „Die Produktion braucht mehr Forschung, auch fächerübergreifende Forschung.“ Wittenstein kritisierte, dass die BMBF-Produktionsforschung im nächsten Jahr um 10 Mio. € auf dann nur noch 62 Mio. € gekürzt werden soll. „Für Deutschland wäre das ein Armutszeugnis!“, sagte Wittenstein. „In die Produktionsforschung muss mehr Geld fließen, die Mittel müssen mit Augenmaß, aber kontinuierlich steigen“, so seine Forderung an die neue Regierung.
Außerdem gäbe es einen drängenden Änderungsbedarf bei der Unternehmensbesteuerung, so Wittenstein und nannte als Stichworte: „Zinsschranke, Funktionsverlagerung, Hinzurechnungen von Zinsen, Mieten et cetera bei der Gewerbesteuer, die Lohnsummenregel bei der Erbschaftsteuer.“
Um Arbeitslosen und Berufseinsteigern eine bessere Chance zu geben, sollte für künftige Arbeitsverhältnisse eine Abfindungsoption zugelassen werden, betonte Dr. E. Wittenstein. „Genauso fordern wir unverändert die Legalisierung betrieblicher Bündnisse für Arbeit. „Gerade in der Krise hat sich gezeigt, wie wichtig betriebliche Gestaltungsoptionen sind.“
Um eine Kreditklemme für die exportabhängigen Maschinenbauer abzuwenden, erwartet der Verband von der Politik die Bereitschaft, „die Regeln von Basel II kurzfristig abzumildern und langfristig so zu gestalten, dass deren prozyklische Wirkung verschwindet“, erklärte Dr. E. Wittenstein. „Außerdem drängen wir darauf zu prüfen, wie die Mittel des Deutschlandfonds über die Globalkredite an Banken hinaus eingesetzt werden können, um die Kreditmärkte zu entspannen.“


>>> Kommentar schreiben
>>> zur Comment Area