25. September 2009

Lenze: Kostensenkungsprogramm und zukunftsfähige Produkte sichern Wettbewerbsfähigkeit

Die Lenze-Gruppe sieht sich trotz der wirtschaftlich angespannten Situation im Maschinen- und Anlagenbau gut aufgestellt. Zwar bekam auch der Spezialist für Antriebs- und Automatisierungstechnik mit Sitz in Hameln im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2008/2009 (1. Mai 2008 bis 30. April 2009) die Auswirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich zu spüren, reagierte aber frühzeitig auf die nachlassende Nachfrage. „Das Wachstum im Maschinenbau verlangsamte sich zunächst, um dann nahezu aus vollem Tempo eine Vollbremsung hinzulegen. Wir als Zulieferer spürten daher in der zweiten Hälfte unseres Geschäftsjahres einen deutlichen Einbruch der Nachfrage. Um der unsicheren Marktlage mit klaren Entscheidungen begegnen zu können, haben wir rechtzeitig ein Modell über den möglichen Verlauf entwickelt. Auf dieser Basis konnten wir schon zu einem frühen Zeitpunkt Maßnahmen ergreifen und unser Unternehmen auf die neuen Anforderungen einstellen“, so der Vorstandsvorsitzende Dr. Erhard Tellbüscher.
„Zum Ende des Geschäftsjahres konnten wir eine zumindest vorläufige Bodenbildung im Maschinenbau erkennen. Dies jedoch auf deutlich verringertem Niveau. Wir gehen davon aus, dass es mehrere Jahre dauern wird, bis die Branche sich erholt und an das erfolgreiche Jahr 07/08 anschließen kann. Unser Beitrag in der Krise für unsere Kunden ist ein kreatives Angebot an kostensenkenden Lösungen, Produkten und Dienstleistungen. Unsere Energiesparlösungen sind ein wichtiges Beispiel dafür. Gerade in diesen schwierigen Zeiten profitieren unsere Kunden von unserem umfassenden Lösungswissen und unserem modernen Produktportfolio. Sie können so ihre Einsparungspotenziale voll ausschöpfen. Wir haben trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf hohem Niveau belassen. Das sind die besten Voraussetzungen, um bei anziehender Nachfrage an die Erfolge der Vorjahre anzuknüpfen“, setzt Dr. E. Tellbüscher fort.
Lenze hatte frühzeitig ein umfassendes Programm zur Kostensenkung im Unternehmen eingeleitet. Neben starken Sachkostenreduzierungen, dem Auslaufen von befristeten Verträgen und Leiharbeit führte das Unternehmen Kurzarbeit an den deutschen Standorten ein. Seit jeher setzt Lenze auf eine feste Stammbelegschaft, in Folge der Verschlechterung der Lage im Maschinenbau und der zu erwartenden Dauer der Krise waren Anpassungen in der Personalstärke jedoch unumgänglich. „Unsere Personalkapazität war auf einen Umsatz von 620 Mio. € und weiteres Wachstum ausgelegt. Deshalb mussten wir im laufenden Geschäftsjahr die Zahl der Beschäftigten zurückfahren. Weltweit wird Lenze in den nächsten Jahren rund 2700 Mitarbeiter beschäftigen“, erläuterte Dr. E. Tellbüscher. Die bisher durchgeführte Weiterentwicklung der Unternehmensstruktur sowie der internen Prozesse helfe Lenze in dieser Situation und sei Voraussetzung für das zukünftige Wachstum und die nachhaltige Sicherung der Arbeitsplätze.
Die Zahl der in der Lenze-Gruppe beschäftigten Mitarbeiter verringerte sich um 246 Personen von 3449 im Vorjahr auf 3203 zum Ende des Berichtsjahres. Dies ist überwiegend auf das Auslaufen befristeter Verträge zurückzuführen. Infolgedessen sank die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland von 1931 auf 1861 in der Durchschnittsbetrachtung. Im Geschäftsjahr 2008/2009 sank der Umsatz der Lenze-Gruppe gegenüber dem Vorjahreswert um 19 % von 621 Mio. € auf 505 Mio. €. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten sank von knapp 49 Mio. € im Vorjahr auf rund 7 Mio. € im Geschäftsjahr 2008/2009 und unter Berücksichtigung von Sondereffekten durch die Aufwendungen für den Sozialplan und begleitende Maßnahmen auf -10 Mio. €.
Der mit 122 Mio. € drastische und vor allem sehr plötzlich eingetretene Rückgang der Gesamtleistung konnte durch Kostensenkungsmaßnahmen in seiner Ergebniswirkung zu etwa zwei Dritteln aufgefangen werden. Die Materialkosten sanken proportional zum Umsatz um 50 Mio. €. Die operativen Kosten wurden durch kurzfristig eingeleitete Kostensenkungsmaßnahmen um 30 Mio. € gesenkt.
Das Konzernergebnis nach Steuern beläuft sich aufgrund des Rückgangs des operativen Ergebnisses und der angefallenen Sonderbelastungen auf -9 Mio. € (Vorjahr: 35 Mio. €).
Trotz der Wirtschaftskrise hat die Lenze AG ihre Investitionen in Forschung und Entwicklung im Wesentlichen beibehalten. Für die Entwicklung neuer Produkte und die Abrundung des bestehenden Produktportfolios wurden gut 37 Mio. € nach knapp 39 Mio. € im Vorjahr aufgewendet. Der Anteil am Umsatz stieg damit auf mehr als 7 %, nach gut 6 % im Vorjahr. Unsere Kunden können auch in Zukunft auf unsere Kompetenz, Dienstleistung und Produkte setzen.
Die Eigenkapitalquote der Lenze-Gruppe beläuft sich zum 30. April 2009 auf 59 % nach knapp 64 % im Vorjahr. Damit ist die Lenze-Gruppe überdurchschnittlich mit Eigenmitteln ausgestattet.
Ausblick
Für die kommenden Monate kündigte der Lenze-Vorstand strukturelle und organisatorische Veränderungen an. Zum Oktober wird Frank Maier Mitglied des Vorstands der Lenze AG. Der 46-Jährige ist seit 2005 im Unternehmen und war zuletzt Geschäftsführer der Lenze Automation GmbH und verantwortlich für die L-force-Entwicklung. Im Vorstand verantwortet er zukünftig die Bereiche Innovation und Managementsysteme.
Ebenfalls noch in diesem Jahr wird die Lenze AG in eine SE (Societas Europaea) umgewandelt. Unter anderem wird damit das internationale Image und der Markenauftritt gestärkt.
Eine Einschätzung, wie sich die Absatzmärkte in den kommenden Monaten entwickeln werden, ist zurzeit schwierig. Insgesamt ist das Umsatzvolumen der Lenze AG der negativen Entwicklung im Maschinenbau gefolgt. Die ersten Monate des laufenden Geschäftsjahres bewegen sich weiter auf einem unbefriedigenden Niveau. Der Auftragseingang liegt heute 35 Prozent niedriger als vor der Krise. Die Zahl der Mitarbeiter wird deshalb in den nächsten Monaten auf etwa 2.700 zurückgeführt. „Ich gehe davon aus, dass im aktuellen Geschäftsjahr keine signifikante Erholung eintreten wird. Das Unternehmen ist zwischenzeitlich so aufgestellt, dass wir auf dem derzeitigen Niveau wirtschaftlich arbeiten können. Gleichzeitig haben wir dafür Sorge getragen, dass unsere Innovationskraft erhalten bleibt“, sagte Dr. Tellbüscher. Der Lenze-Vorstand meint, dass die jetzige schwierige Situation bis zum Frühsommer 2010 anhalten könnte; bei möglicherweise nur geringer Erholung.
Der Rückgang des Umsatzvolumens wird erst im laufenden Geschäftsjahr seine Wirkung zeigen. „Wir haben deshalb für dieses Geschäftsjahr weitere Ergebnisbelastungen eingeplant“, erläuterte der Lenze-Vorstand. Erste positive Signale kommen aus Asien und Amerika, wo schon wieder ein leichtes Wachstum zu verzeichnen ist. Insbesondere in den USA ist das Produktionsvolumen schon deutlich angestiegen – seit Mai um rund 30 %. „Sollte sich die Krise im laufenden Jahr nicht weiter deutlich verschärfen, werden wir die Situation mit den eingeleiteten Maßnahmen gut überstehen“, ist sich Dr. Tellbüscher sicher.
Erfolg verzeichnet das Unternehmen mit der Frequenzumrichter-Plattform 8400. „Wir werden oft in neue Maschinengenerationen eindesignt“, so Dr. E. Tellbüscher. „Allerdings sind die Bestellungen noch nicht entsprechend.“ Diese Erfolge sind laut dem Lenze-Vorstand in dem „hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis sowie in den Positioniermöglichkeiten begründet, die an Servoumrichter heranreichen. Er sieht gerade diese Plattform als „gutes Angebot in der Krise“. Vorgestellt wird derzeit ein dezentrales System: 8400 protec ist eine dezentrale Antriebslösung mit integrierter Sicherheitstechnik, die zum Beispiel in der Automobilindustrie zum Einsatz kommt. Ein dezentraler Motorumrichter auf Basis der Plattform 8400 wird im Herbst 2010 eingeführt. Auch im Bereich der L-force-Controls geht das Unternehmen noch einen Schritt weiter: Dieser beinhaltet die Umstellung von Codesys 2.3 auf Codesys 3.x.
Mit den drei Stufen Kompetenz, Produkte und Dienstleistungen will Lenze auch zukünftig an die bisherigen Erfolge anknüpfen. Diese zeigen sich unter anderem auch darin, dass 80 % der Kunden mehr als eine Lenze-Baureihe kaufen und 50 % sogar nahezu alle Baureihen erwerben.


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