03. September 2009

VDMA: Annäherung an Talsohle

“Drei Punkte vorab: Wir sehen erste Anzeichen für das Erreichen der Talsohle im Auftragseingang; wir präzisieren unsere Produktionsprognose für 2009 auf ein Minus von 20 % und wir sehen für das kommende Jahr eine konkrete Chance, das Produktionsniveau von 2009 zu halten.” Mit diesen Worten eröffnete der VDMA-Präsident Dr. Manfred Wittenstein die heutige VDMA-Pressekonferenz in Frankfurt/M.


Auftragstendenz für 2009
In seiner Folgerede begründete Dr. M. Wittenstein die Produktionsprognose von einem Minus von 20 % bzw. 40 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahr wie folgt: “Die Maschinenproduktion verfehlte im ersten Halbjahr 2009 ihr extrem hohes Vorjahresniveau um 24,4 %. Uns kommt im weiteren Jahresverlauf schlicht und einfach ein Basiseffekt zugute: Die Maschinenproduktion ist bereits im vierten Quartal 2008 spürbar reduziert worden, das heißt die Messlatte des Vorjahresvergleichs liegt nicht mehr so hoch wie zum Jahresanfang.” Zudem hofft er, dass die Minuszahlen im Auftragseingang weiter deutlich kleiner werden. Eine solche Tendenz lässt sich aus den Auftragseingängen seit April ablesen: April -58 %, Mai -48 %, Juni -46 %, Juli -43 %. Dabei weist der VDMA-Präsident darauf hin, dass das Minus im Bestelleingang im Juli von 43 % (Inland -41 %, Ausland – 44 %) für sich gesehen nach wie vor wenig ermutigend sei. “Im Vergleich zu den Vormonaten bestätigt sich jedoch unsere Annahme, dass die Minusraten kleiner werden und wir uns im Kurvenverlauf deren Tiefpunkt nähern”, lautet seine Schlussfolgerung. Außerdem weist er darauf hin, dass dieser Prozess äußerst zäh verlaufe, und noch nicht eindeutig genug sei, um klar sagen zu können: Die Talsohle im Maschinenbau ist erreicht. “Doch ein Anfang ist gemacht: Textilmaschinen und Fluidtechnik haben – aus völlig verschiedenen Situationen heraus – zumindest, was die Auftragseingänge betrifft, offenbar das Schlimmste hinter sich”, ist er optimistisch.

VDMA-Produktionsprognose für die reale Maschinenproduktion



Prognose für die Beschäftigtenzahl
Ende Juni 2009 waren nach aktuellen Zahlen des VDMA und der neuen statistischen Abgrenzung 936.000 Menschen im Maschinen- und Anlagenbau beschäftigt. Das entspricht einer Reduzierung um 18.000 Stellen im Verlauf des ersten Halbjahrs. “Wir gehen davon aus, dass die Kernmannschaft auch in den kommenden Monaten noch angepasst werden muss”, so Dr. M. Wittenstein. Es gelte aber nach wie vor, dass die Maschinenbauer bestrebt sind, so viele Arbeitskräfte wie möglich zu halten. Er stellt heraus: “In anderen Branchen sind bei Produktionsrückgängen in dieser Größenordung Personalanpassungen deutlich eher zu erkennen als im Maschinen- und Anlagenbau.” In Summe rechnet der VDMA bis Ende des Jahres mit einem Abbau von 60.000 Stellen, also eine Reduzierung um weitere 42.000 Stellen.


2010 wird Niveau von 2009 gehalten
Der VDMA rechnet damit, dass der deutsche Maschinenbau 2010 in Summe das relativ schwache Produktionsniveau von diesem Jahr in etwa halten kann. “Das ist wohlgemerkt eine Durchschnittszahl”, stellt Dr. M. Wittenstein heraus und begründet: “Wir haben in unserer Branche Fachzweige, die 2009 noch Zuwachsraten schreiben und erst im nächsten Jahr die
Weltwirtschaftskrise mit aller Wucht zu spüren bekommen. Andere gerieten schon sehr frühzeitig in die Rezession oder wurden durch Lagereffekte und Stornierungen so arg gebeutelt, dass sie 2010 die realistische Chance auf ein Wachstum auf zugegeben niedrigem Niveau haben – bei einer enormen Spreizung der Fachzweigentwicklungen.”



Auftragsbestand im deutschen Maschinenbau



Der generellen Maschinenbauprognose liegt die Beobachtung zugrunde, dass sich in vielen Ländern, so auch in Deutschland, die Konjunktur allmählich fängt. “Asien hat die Vorreiterrolle übernommen. Das lässt sich bereits an unseren Exporten ablesen”, so Dr. M. Wittenstein. So seien die deutschen Maschinenlieferungen nach China selbst im ersten Halbjahr auf Wachstumskurs geblieben. “Die VR China ist inzwischen unser größter Auslandskunde geworden und hat damit – früher als erwartet – die USA auf den zweiten Platz verdrängt”, sagt er weiter.


In anderen Ländern und Absatzregionen sieht der VDMA, dass sich zumeist nicht nur die Geschäftserwartungen aufgehellt haben, sondern auch das Lageurteil wieder positiver ausfällt. “In einigen unserer Kundenbranchen ziehen Auftragseingang und sogar die Produktion wieder an. Das sollte sich auch mit entsprechender zeitlicher Verzögerung auf die Investitionstätigkeit der Kunden auswirken”, erklärt der VDMA-Präsident. Für die Produktion von Maschinen geht der Verband deshalb für 2010 von einem leicht steigenden Kurvenverlauf aus ”- in den ersten Monaten des Jahres unter Vorjahresniveau, hoffentlich bald dann wieder über dem sehr niedrigen Vorjahresniveau.”



Deutscher Maschinenexport nach Regionen



Fit für die Zukunft
Um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können, stehen einige prinzipielle Aufgabenstellungen nach wie vor an. Dr. M. Wittenstein: “Investitionen in die effiziente Energieherstellung, in die energieeffiziente, ressourcenschonende intelligente Produktion, bleiben ebenso auf der Agenda wie die vielen Infrastrukturprojekte, die nach wie vor in der Pipeline sind.” Auch die neue Autogeneration, ob hybride Fahrzeuge oder das gesamte Thema der Elektromobilität, würden enorme Investitionen in die Produktionsanlagen bedeuten. “Der Maschinenbau strahlt in alle diese Prozesse hinein und ist damit der Schlüssel zum Erfolg”, sagt er weiter. Zudem verweist es aber auch darauf, dass Banken hier mitspielen und die notwendigen Kredite bereit stellen müssten. Mit Blick auf die Krise meint er dann noch: “Jedes Unternehmen muss individuelle Reaktionspläne darauf entwickeln.”


Die Zeit nach der Krise
Auch wenn sich der VDMA derzeit noch zu keinen konkreten Prognosen für einzelne Branchen hinreißen lässt und auch keine Vorhersage für einen Zeitpunkt des Endes der Krise nennen möchte, ist er doch überzeugt, dass seine Mitglieder die Krise überstehen und an ihre
Erfolge anknüpfen werden. “Dies wird allerdings kein ,weiter so wie bisher’ sein: Die Welt wird eine andere sein, mit anderen Spielregeln, mit anderen Finanzierungen und auch mit anderen Wettbewerbsbedingungen. Dieses ist gerade für die kleinen und mittleren Unternehmen des Maschinenbaus eine große Chance, denn wir haben in der Vergangenheit bewiesen, mit welch hohem Maß an Flexibilität wir uns auf veränderte Rahmenbedingungen und Umstände einstellen können. Deshalb sind wir überzeugt: Wir werden es packen.”


Weitere Informationen unter www.vdma.org.




>>> Kommentar schreiben
>>> zur Comment Area