08. Juni 2009

Die vierte HMI-Generation

Zwei Spezialisten für das Bedienen und Beobachten wachsen zusammen: Seit Systeme Lauer zur Beijer Electronis Group gehört, kann man gespannt sein, wie sich die nächsten Schritte der Zusammenführung der Produktreihen zeigen. openautomation führte hierzu exklusiv ein Interview mit Christian Benz, Geschäftsführer von Systeme Lauer.


openautomation: Sie haben vor kurzem die neue „iX“-Software vorgestellt. Warum sprechen Sie hier von der vierten Genera­tion?

Christian Benz ist Geschäftsführer der Elektronik-Systeme Lauer GmbH & Co. KG

C. Benz: Wenn man auf die HMI-Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte zurückblickt, ergibt sich folgendes Bild: Mitte der 1980er-Jahre lösten die ersten Klartextanzeigen als erste HMI-Generation die Meldeleuchten und Taster in den Prozessbedienungen ab. Zu dieser Zeit war Lauer mit der Geräteserie LCA und Beijer Electronics mit den sogenannten MAC-Terminals am Markt vertreten. In den 1990ern folgte die zweite Generation mit Terminals, die sowohl Text als auch Semigrafik anzeigten und mit Funktionstasten ausgestattet waren. Sie ließen bereits einfache Menüstrukturen zu. Lauer war mit den Terminals der PCS-Serie in sehr vielen Anlagen vertreten. Und Beijer Electronics bediente seine Kunden mit den Panels der Cimrex-Familie. Anfang 2000 wurde die Bedienerumgebung noch komplexer. Web-Technologien kamen in den Fokus und vollgrafikfähige Touch- und Tastenterminals eroberten als dritte HMI-Generation die Produktionshallen. Das war die Zeit, zu der „WOP-iT“ und Exter entwickelt wurden. Mit „iX“ präsentieren wir nun die vierte HMI-Generation, die auf einem vollkommen offenen Software-Konzept basiert. Aufbauend auf Microsoft .Net Framework verbindet „iX“ zukünftig die beiden HMI-Philosophien von Beijer Electronics und Lauer zu einer gemeinsamen Basis, von der sowohl unsere bestehenden als auch neue Kunden profitieren werden.


openautomation: Sie gehen mit der neuen Software auch in den Wettbewerb zu den etablierten Visualisierungsanbietern – ein hart umkämpfter Markt. Welche Erwartungen haben Sie?
C. Benz: Zuerst einmal möchte ich klarstellen, dass der Markt für Scada-Lösungen nicht unser Fokus ist. Unsere Ausrichtung besteht darin, mit neuester Software-Technologie erweiterten Kundennutzen zu bieten. Der ergibt sich zum einen beim Engineering durch leichtes und zeitsparendes Projektieren von Bedienoberflächen. Als zweites erhält der Maschinenbediener eine Umgebung, die durch 3D-Templates detailgetreue Prozessdarstellungen aufweist und somit eine hohe Akzeptanz erzeugt. Im Paket mit unserer Hardware und einem passenden Dienstleistungsangebot erhält der Kunde eine komplette HMI-Lösung für alle Anwendungsbereiche.


openautomation: Was macht Ihre Software besser als die anderer Visu-Anbieter?
C. Benz: Die Offenheit ist das entscheidende Merkmal. Durch .Net Framework bieten wir mit der Programmiersprache C# jedem Anwender offenen Schnittstellen, die er für seine ganz individuellen Belange nutzen kann. Seien es spezielle Kommunikationstreiber, die über OPC eingebunden werden oder umfangreiche Verknüpfungen mit SQL-Datenbanken – alles ist möglich.

Die Entwicklung beim Bedienen & Beobachten bis zur vierten HMI-Generation bei Lauer



openautomation: Sie gehen davon aus, dass Ihre Software reibungslos mit Industrie-PC fremder Hersteller funktioniert. Gehen Sie nun auf Ihre Wettbewerber im Hardware-Bereich zu?
C. Benz: Lassen Sie es mich so formulieren: Wenn wir interessante Anfragen erhalten, bei denen PC-Hersteller unsere Software bundeln möchten, sind wir sicherlich zu Gesprächen bereit. Dies ist allerdings nicht unser erstes Ziel. Wir möchten vielmehr die Möglichkeit schaffen, unsere bestehenden und zukünftigen Kunden mit einem einzigen Bedienkonzept auszustatten. Das bedeutet, wenn bereits IPC von Drittanbietern im Feld etabliert sind und man entscheidet sich nachträglich für das Lauer-„iX“-Paket (Hardware und Software) dann muss gewährleistet sein, dass die bestehende Hardware zu integrieren ist. Wir können sicherlich nicht jeden Kunden davon überzeugen, seine komplette Hardware auszutauschen, um ein neues Bedienkonzept aufzusetzen.


openautomation: Was hat der Anwender davon, dass Sie WPF unterstützen?
C. Benz: Hierbei möchte ich die Frage zweigeteilt beantworten: Der Entwickler, der die Bedienoberfläche erstellt, bekommt neuartige Möglichkeiten im Maskendesign. Microsoft beschreibt den Kern von WPF (Windows Presentation Foundation) als ein von der Auflösung unabhängiges, vektorbasiertes Rendering-Modell. Im Klartext bedeutet dies: Egal welche Displaygröße im Prozess verwendet wird, der Entwickler legt nur ein Projekt an. Durch die Vektorbasierung ergibt sich eine uneingeschränkte Skalierbarkeit der Objekte bei gleichbleibender Grafikqualität.
Ein weiterer Vorteil ist die 3D-mäßige Darstellung von Objekten, die Prozessbilder realitätsgetreuer und plastischer aussehen lassen. Denselben Eindruck erhält dann der Bediener an der Maschine. Die jetzige Generation von Maschinenbedienern ist stark geprägt durch die Nutzung von „iPhone“, Vista und Playstation-Oberflächen und steht modernen Oberflächen offen gegenüber. Dadurch ist zum Beispiel eine Blätterfunk­tion im Karusselstil keine fremde Darstellung sondern eher wohlbekannt und akzeptiert. Einarbeitung und Fehlbedienung werden damit auf ein Minimum reduziert.


openautomation: Haben Sie bereits Response erster Pilot-Kunden?
C. Benz: Einige OEM aus unterschiedlichen Branchen setzen „iX“ bereits seit letztem Jahr in ihrer Produktion ein. Sie sind seit der Entwicklungsphase mit eingebunden, um ihre Vorstellungen von zukünftigen Prozessbedienungen mit einzubringen. Dies hilft uns weiter, indem wir einen umfassenden Blick in verschiedene Bedienausrichtungen erhalten und diese in folgende Softwareversionen mit einfließen lassen. Die einfache Handhabung, die flexible Anpassung und das angenehme Look & Feel aktueller Software-Technologie waren bis jetzt die häufigsten Rückmeldungen.


openautomation: Wie sind Sie mit der Durchgängigkeit der Engineering-Werkzeuge für Ihre Hardware-Plattformen vorangekommen?
C. Benz: Mit der Umsetzung auf die offene PC-Plattform (HMI-Serie Premium Plus) haben wir den ersten Schritt vollzogen und werden jetzt erste Markterfahrungen sammeln. So war es auch geplant, als wir Anfang 2008 die Strategie bekannt gaben. Anschließend folgt die Realisierung der Premium-Reihe, unserer Bedienpanel LXT und „WOP-iT“. Dies soll im kommenden Jahr soweit sein. Und als abschließenden Schritt vollziehen wir die Umsetzung bei unseren HMI-Produkten der Basic-Reihe, die für die kleinen bis mittleren Anwendungen geeignet sind.


Ronald Heinze


Weitere Informationen unter www.lauer-hmi.de.



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