04. Mai 2009

Bestellungen deutscher Werkzeugmaschinen weiter stark gesunken

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie sieht sich zu Beginn des laufenden Jahres abermals mit einem starken Nachfragerückgang konfrontiert. Im ersten Quartal 2009 sanken die Bestellungen um 70 %. Dabei waren Inlands- und Auslandsnachfrage gleichermaßen rückläufig. Die Inlandsaufträge gingen um 71 % im Vergleich zum Vorjahr zurück. Die Auslandsorders lagen 70 % unter Vorjahr. Geschuldet ist dies zum einen dem statistischen Basiseffekt. Im Vorjahresquartal verzeichnete die Branche das zweithöchste Bestellniveau ihrer Geschichte. „Zum anderen haben unsere Industriekunden weltweit und aus nahezu allen Bereichen ihre Investitionstätigkeit drastisch zurückgefahren“, kommentiert Dr. Wilfried Schäfer, Geschäftsführer des VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken), die Zahlen. „Aufgrund der enormen Verunsicherung werden Projekte und selbst Ersatzinvestitionen auf unbestimmte Zeit verschoben.“
Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie ist technologisch außerordentlich breit aufgestellt und liefert Fertigungstechnik in alle Zweige industrieller Produktion. Starke Standbeine sind unter Anderem das Projekt- und Sondermaschinengeschäft. Das bietet die besten Voraussetzungen für die Branche, wenn wieder investiert wird, z. B. die Windkraftindustrie ihre Anlagen weiter ausbaut oder die Automobilindustrie sparsamere Motoren auf den Markt bringt. Wettbewerber mit einem weniger differenzierten Produktprogramm, wie etwa Japan, sind noch härter von der Nachfragekrise betroffen.
Der deutsche Werkzeugmaschinenbau befindet sich bereits seit Mitte des vergangenen Jahres im Rückwärtsgang. Damit ist das erwartete Produktionsminus von 15 % für das laufende Jahr praktisch nicht mehr erreichbar. Die Prognose stand unter der Prämisse, dass ein nennenswerter Auftragsbestand gewahrt bliebe, um das erste Halbjahr überbrücken zu können. Und sie ging davon aus, dass sich die „Schockstarre“ der Investoren bis zur Jahresmitte lösen, der Boden erreicht und eine Trendwende erkennbar ist. „Dies alles sehen wir zurzeit nicht mehr“, sagt Dr. W. Schäfer. Eine revidierte Prognose wird der Verband zur Jahresmitte veröffentlichen.
Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie gehört zu den fünf größten Fachzweigen im Maschinenbau. Sie liefert Produktionstechnologie für die Metallbearbeitung in alle Industriezweige und trägt maßgeblich zum Produktivitätsfortschritt in der Industrie bei. Durch ihre Schlüsselstellung in der industriellen Produktion ist ihre Entwicklung ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Dynamik der gesamten Industrie. 2008 produzierte der deutsche Werkzeugmaschinenbau mit knapp 71 000 Beschäftigten (Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern) Maschinen und Dienstleistungen im Wert von 14,3 Mrd. €. Das war der höchste Produktionswert in der Geschichte der Branche und entsprach einem Zuwachs von 13 % im Vergleich zum Vorjahr.


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