24. April 2009
ZVEI prognostiziert für 2009 einen Umsatzrückgang um 5 % bis 10 % in der deutschen Automatisierungsindustrie
“2008 war noch einmal ein gutes Jahr für die elektrische Automatisierungstechnik in Deutschland: Der Umsatz stieg um 8,3 % auf 45,8 Mrd. Euro, die Produktion um 3,9 % auf 35,2 Mrd. Euro und der Auftragseingang erhöhte sich um 2,8 %”, sagte Dr. Gunther Kegel, Vorsitzender des Vorstands ZVEI-Fachverband Automation und Vorsitzender der Geschäftsführung Pepperl+Fuchs GmbH, anlässlich einer Pressekonferenz während der Hannover Messe. Dabei habe der Export um 2,5 % auf 26,3 Mrd. Euro und der Import um 3,0 % auf 13,9 Mrd. Euro zugelegt. Und auch die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse sei trotz des nach wie vor vorherrschendem Ingenieurs- und Fachkräftemangel nochmals um 3, 2 % auf 233.784 gesteigert worden.

Umsatz 2008 – Automation (Quelle: Destatis und ZVEI-eigene Berechnungen)

Umsatz Automation gesamt (Quelle: Destatis und ZVEI-eigene Berechnungen)
Blick auf 2009
Die Zahlen für 2009 sehen deutlich schlechter aus. So rechnet der ZVEI für die deutsche Automatisierungsindustrie in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang von 5 % bis 10 %. „Ende des Jahres zeichnete sich diese Entwicklung ab. Seit Jahreswechsel sind die Aufträge aus den wichtigen Abnehmerbranchen Maschinenbau, Automobilbau und Chemie eingebrochen“, berichtet Dr. G. Kegel und fasst die derzeitige Situation stichpunktartig wie folgt zusammen:
- Die Automation liegt zurzeit im Auftragseingang und Umsatz zweistellig hinter den Werten des Vorjahrs,
- 2009 wird auch für die Automation ein Jahr der Rezession,
- im Gesamtjahr ist mit einem Umsatzrückgang von 5 % bis 10 % zu rechnen,
- der Maschinenbau liefert mit –49 % im Februar und –44 % für die Monate Dezember bis Februar noch immer katastrophale Vorgaben für die elektrische Automatisierung,
- der Fahrzeugbau steht noch immer vor deutlichen Kapazitätsanpassungen und
- der Kapazitätsabbau und die Schließung von Produktionsanlagen in der Chemie hält noch immer an.
Wie lange die rückläufige Entwicklung anhalten werde, prognostiziert Dr. G. Kegel nicht. Dennoch werde alles getan, um die Mitarbeiter zu halten, um bei der nächsten Erholung über Fachkräfte zu verfügen. „Insbesondere ist der Ingenieurmangel nicht behoben. Neun von zehn Unternehmen gaben in einer Befragung des ZVEI an, noch immer Hochschulabgänger einzustellen“, sagt er weiter.
Entwicklung der Prozessautomation
Die Prozessautomation berichtet im ersten Quartal 2009 weltweit von rückläufigen Auftragseingängen um 15 % und 20 % im Vergleich zum ersten Quartal 2008. “Das ist ein massiver Rückgang, der jedoch immer noch niedriger ausfällt als in anderen Bereichen des Investitionsgütersektors. Fragt man sich, woran das liegt, kann man darauf verweisen, dass Projekte in der Prozessautomatisierung zum Teil von langfristigen Trends getrieben sind”, so Michael Ziesemer, im Vorstand des Fachverbands Automation zuständig für die Prozessautomation sowie Member of the Executive Board Endress+Hauser AG. Dabei gehe es vor allen Dingen um die Themen Energie, Energieeffizienz und Umweltschutz, die miteinander stark vernetzt seien. So habe das Thema CO2-Reduktion zum Beispiel immer etwas mit Energiekosten und Umweltschutz zu tun.
“Der Rückgang im Geschäft wird sich vermutlich bis Ende des Jahres fortsetzen”, lautet seine Einschätzung weiter. Ob die Branche konjunkturell bereits eine Bodenbildung erreicht habe, bleibe jedoch fraglich. Zwar würden einige Unternehmen berichten, dass es Anhaltspunkte dafür gäbe, allerdings gäbe es auch noch viele Fragezeichen. “Diese sehen wir vor allen Dingen im Anlagenbau. Hier sind einige Unternehmen im Moment noch gut beschäftigt. Doch die Projektpipeline leert sich. Die Frage ist: Wann kommen Folgeaufträge?”, so M. Ziesemer. Und selbst wenn man davon ausgehe, dass die Bodenbildung erreicht sei oder im zweiten oder dritten Quartal kurz bevor stehe, sei für die Prozessautomatisierung mit konjunkturellem Rückenwind erst wieder im Jahr 2010 zu rechnen. “Denn wir gehören zu den so genannten spätzyklischen Sektoren. Das heißt, wenn sich der Wind dreht, dauert es erfahrungsgemäß noch sechs Monate, ehe das Geschäft wieder anzieht. Nach fünf sehr guten Jahren ist 2009 ein ganz schwieriges Jahr für die Branche”, erklärt er weiter.
Hoffnung für die Zukunft
Mit Blick in die Zukunft erhofft sich die Automationsbrache schneller aus der Krise zu kommen als andere Branchen. „Unsere Produkte helfen den Abnehmerbranchen, Kosten zu senken“, betont M. Ziesemer. Hier sei insbesondere die Energieeffizienz mit Amortisationszeiten von zum Teil nur wenigen Monaten im Fokus.
Wichtig sei, für einen künftigen Aufschwung, qualifizierten Nachwuchs in Deutschland zu sichern. Deshalb engagiert sich der Verband unvermindert bei der Werbung für technischen Nachwuchs mit den Kampagnen ‚superausbildung.de’ und ‚superstudium.de’ im Rahmen der Initiative ‚TectoYou’ während der Messe.
Weitere Informationen unter www.zvei.org.
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